Sensorische Integrationstherapie
(SI-Therapie)

Was ist Sensorische Integration?

Die Wahrnehmung und Wahrnehmungsverarbeitung
(Reizaufnahme... Verarbeitung... motorische Anpassungsreaktion)

Beispiel:
Eine Tasse Kaffee trinken erfordert das Zusammenspiel vieler höherer Fähigkeiten.

Vom sensorischen Reiz (z.B. Durst) über die Verarbeitung im Hirn die Anbahnung des motorischen Plans und die Umsetzung dessen durch Bewegung (Tasse nehmen, zum Mund führen). Dafür ist Haltungskontrolle, die Hand-Auge-Koordination, die richtige Kraftdosierung, die Einordnung des taktilen Wärme-, Kältereizes u.v.m. von großer Bedeutung.

Was ist Sensorische Integrationstherapie?

SI-Therapie betrachtet vorrangig die basale Körperwahrnehmung:

  • Tiefensensibilität (propriozeptives System); Wahrnehmung von Zug, Druck auf Gelenke, Stellung der Gelenke
  • Gleichgewicht (vestibuläres System); Wahrnehmung von Lageänderung des Kopfes, Beschleunigung, Richtungsänderung.
  • Oberflächensensibilität (taktiles System); Wahrnehmung von leichter Berührung, Wärme, Kälte.
  • auch hören, sehen, riechen, schmecken


= die gesamte basale Körperwahrnehmung, auf die sich die Entwicklung der höheren Fähigkeiten des Menschen aufbauen,
d.h. die Integration der basalen Wahrnehmungsverarbeitung ist die Grundlage für:

  1. die Modulation des Wachheitsgrades (Arousel) des Menschen bei allen seinen Aktivitäten, und damit die Fähigkeit sich selbst in seinem Erregungslevel zu regulieren und
  2. die Praxie, also die Fähigkeit zur Ausführung von Tätigkeiten, welche individuell beeinflusst wird durch sensomotorische, bilateral integrierende und sequenzierende und die Haltungskontrolle betreffende Fähigkeiten.

  • Normalerweise erfolgt die Integration der basalen Wahrnehmung in der embryonalen Phase und im Kleinkindalter (1. Lebensjahr).
  • Es kann oft eine starke Selbststimulation der basalen Wahrnehmung beobachtet werden, z.B. Automatismen wie Laufen, Vor- und Rückwärtsschaukeln oder Selbstverletzungen welche auf eine Unterinformation der basalen Wahrnehmung deuten.
  • Bei einer Überempfindlichkeit der basalen Wahrnehmungbereiche vermeidet der Mensch alle Reize, z.B. starre Kopfhaltung zur Vermeidung von Reizen aufs Gleichgewichtssystem, abschalten, Rückzug in die innere Welt.

Sensorische Integrationstherapie mit Kindern

Spielerisch und kreativ helfen wir dem Kind seinen Körper, seine Fähigkeiten und den Raum zu entdecken und zu entwickeln. Der Therapieraum ist für das Kind ein Abenteuerspielplatz wo es viel zu entdecken und auszuprobieren gibt.
Dabei entscheidet das Kind selbst die Richtung und das Tempo seiner Entwicklung. Die Therapeutin macht entsprechend der individuellen Diagnostik Angebote, begleitet und ermutigt.

Familienangehörige werden möglichst in die Therapie mit einbezogen, es finden regelmäßig Beratungstermine statt.

Sensorische Integrationstherapie mit Jugendlichen und Erwachsenen

Fast jeder erwachsene Mensch hat in der basalen Körperwahrnehmung Stärken und Schwächen. Manchem wird z.b. schnell schwindlig, andere sind eher unterempfindlich und brauchen ständig Bewegung. Das ist so unterschiedlich, wie es Menschen gibt und meistens gelingt es gut, dies im Alltag zu kompensieren.
Bei einigen Menschen besteht eine gravierendere Einschränkung, die Einfluss auf die individuelle Handlungsfähigkeit hat. Häufig kommt es zu Vermeidungsverhalten, man fühlt sich ungeschickt und traut sich (aus gutem Grund) vieles nicht zu.

Neugierig begeben wir uns auf Entdeckungsreise, probieren aus, was ange-
nehm scheint. Alle Angebote sind freiwillig, der Klient soll das eigene Maß
finden und bekommt dabei Hilfe zur Selbsthilfe.

Ziele sind die Verbesserung der Handlungsfähigkeit und Selbstständigkeit und
der Selbstregulationsfähigkeiten.

Sensorische Integrationstherapie mit Psychisch kranken Menschen

  • Psychisch kranke Menschen scheinen oft Störungen der basalen Wahrnehmung zu haben.
  • Erwiesen ist, daß viele an schizo-affektiver Psychose erkrankte Menschen bereits im Kindesalter eine Sensorische Integrationsstörung hatten.
  • Zu beobachten ist (besonders bei schizophrenen Patienten) z.B. eine Störung der Eigenwahrnehmung, des Körperschema, der räumlichen, zeitlichen, personellen Orientierung.
  • Sehr positiv reagieren viele psychisch Kranke auf Angebote im basalen Wahrnehmungsbereich, z.B. erleben sie ihre Körpergrenzen besser, sind besser orientiert und handlungsfähiger.
  • Durch frei verfügbare Angebote während der Therapie besteht die Möglichkeit für eine viel bessere Selbstregulation.
  • Angebote zur basalen Wahrnehmung im Therapieraum können sein:
    Schaukel/ Hängematte
    Tonwurfwand
    Sensomotorisches Material und Spiele
    Bohnenbäder für Hände/ Füße


Mehr Information zu diesem Thema unter: www.si-psychiatrie.de